4. Das müsst IHR bedenken:

 

Das nun folgende Enten-ABE ist eine Reflexion darüber wert, ob du uns und unsere Eigenarten wirklich aushalten kannst(?)

Aufgeräumte Gärten und WIR - das geht gar nicht! Wir bringen Leben in die Bude! Das wird ordentlichen Menschen, die aufgräumte Gärten lieben, bestimmt nicht gefallen!

Gar keine Lösung ist es aber, uns auf einem stinklangweiligen Matschgrundstück ohne Grünzeug einzusperren - das ist wie ewiger Hausarrest, nicht artgerecht und wir werden deshalb nicht die sein, die wir für dich sein könnten!

 

 

A. Zu allererst eine grundlegende Frage:

Wo wohnst du?

In einem reinen Wohngebiet musst du eine Erlaubnis zur Entenhaltung haben. Überall dort, wo du Hühner halten darfst, kann dir das aber keiner verbieten.

Und: Welche Gefahren gibt es außerhalb des Gartens, die auch am Tag zu uns kommen könnten? Eine breite, undurchlässige Hecke oder ein hoher Zaun sollte vorhanden sein!

Alles geklärt? Dann hole uns bei einer vertrauenswürdigen Person, die dir ganz bestimmt reinrassige Laufenten für ca. € 10,- (Erpel) & € 15/20,- (Ente) verkauft. Das schützt dich vor unliebsamen Überraschungen und du trägst zu unserer Erhaltung bei!

 Anschließend musst du jede/n von uns beim Veterinäramt anmelden, denn Geflügel unterliegt dieser staatlich verordneten Anmeldepflicht. Sie muss jährlich aktualisiert werden. Sonst droht ein Bußgeld.

 

 B. Auf EntenhalterInnen warten einige unabdingbare Pflichten: (- Je nach Herdengröße alles gut in 10 - 20 Minuten täglich zu erledigen.)

Wir wollen unbedingt morgens früh, wenn es hell ist, aus dem Stall - selbst wenn er groß ist. Stallpflicht ist für uns Wasservögel der blanke Horror. Und morgens früh, wenn es hell ist, nicht ´raus zu können, macht uns äußerst unwirsch. Deshalb musst du entweder eine moderne Automatik in die Tür einbauen oder im Sommer früh aufstehen und uns rauslassen! Eine sichere Voliere wäre auch eine Zwischenlösung, aber dann finden wir in aller Frühe kaum Schnecken. Es ist sicher auch in deinem Interesse, wenn wir zeitig unser Frühstück einnehmen können und dich  - und eventuelle Nachbarn - nicht erst lautstark wecken müssen!

Wecken werden dich übrigens nur die Frauen, also die eierlegenden Enten. Aber denke jetzt bitte nicht: "Dann halte ich mir nur Erpel!" Gut - zwei, bis drei. Obwohl das schon ziemlich doof für manche von uns ist, aber wir bilden auch Männerfreundschaften. Dann aber OHNE eine Ente dazu! Die würde uns nämlich nicht überleben. Wir sind grob zur ihr, wenn es im Frühjahr um die Kükenerzeugung geht. Auch deshalb ist ein Teich so wichtig. - Das beste Verhältnis ist: Ein Erpel und 2-3 Enten. (Ich bin da mit meiner Annegret ein Sonderfall. Warum das so ist, kann euch aber meine ZBin besser erklären.)

Du musst unseren Stall sauber halten. Ausmisten reicht in der Regel. Wenn wir aber krank waren oder der Stall sehr klein ist, auch ausschrubben. Für kleine Ecken ist so eine Hufeisenbürste für Pferde eine tolle Hilfe. Unsere Hinterlassenschaften, wie Schiete hie und da und ebenso die vielen Federn während der halbjährlichen Mauser dürfen dich nicht ernsthaft stören.

1 - 2x im Jahr solltest du uns entwurmen. Das Medikament gibt es beim jedem Tierarzt. Es muss nur sehr genau dosiert werden! Möglichst nicht während der Brutsaison - oder unsere guten Eier müssen vernichtet werden.

Apropos Hinterlassenschaften: Wir Enten machen es anders als viele ZB, also diese großen, und hören sofort auf zu fressen, wenn wir satt sind. Das übriggebliebene Futter entferne spätestens zur Nacht, denn sonst bekommst du Gäste, die du garantiert nicht haben willst: Ratten.

 

C. Englischer Rasen und hypergepflegte Blumenbeete gehören der Vergangenheit an, sobald wir in deinen Garten einziehen:

Wir bohren arbeitstechnisch bedingt mit dem Schnabel kleine Löcher in den Rasen - das musst du akzeptieren. Die verschwinden oft auch wieder. Es kommt, wie gesagt, auf die Größe der Grünfläche und der Herde an, wie stark es auffällt. Hier bei uns sieht man noch nicht einmal bei Regenwetter etwas von unserer Tätigkeit, die uns so ein großes Vergnügen bereitet.

Regenwetter ist übrigens DAS Entenwetter schlechthin! Wasser von oben ergibt Wasser von unten - einfach allerbest dieses Rundum-Sorglos-Paket! Matschen, planschen und schleimige Kleintiere suchen und vertilgen ist nämlich unsere Lieblingsbeschäftigung. Damit können wir uns locker bis zur Weltmeisterschaft profilieren - DA macht uns keiner was vor! Dabei kann eine kleine Rasenfläche schon mal Schaden nehmen. Eigentlich aber freut es die ZB doch, wenn diese braunen Nacktschnecken und ihre glibberigen Eier verschwinden.

Rasen oder Erde - da machen wir keinen Unterschied. Unser Schnabel schafft das alles und die dicke Erdkruste spülen wir irgendwann mit Wasser ab, das du dann auch wieder bald ´mal erneuern kannst! Und so sorgen wir auch noch für Bewegung von ZBn!

Denke deshalb ganz doll darüber nach, wie viele Enten du haben willst, bzw. tatsächlich versorgen kannst. Zum Beispiel laufen alle Enten einer Herde über eine kleine Gemüsepflanze hintereinander her, auch wenn drum herum noch 5000 m² frei sind. Das musst du, lieber ZB, beachten oder auch einen für uns unüberwindbaren Zaun um die Dinge ziehen bzw. stecken, die für dich wichtig sind. - 500 m² braucht ein Pärchen als absolutes Minimum für den Entenspaziergang. Entweder hast du dann einen sehr abwechslungsreichen, gut bewachsenen Garten oder du musst entsprechend zufüttern.

Blumen machen wir nicht kaputt. Jedes Jahr sprießen hier in Annegrets und meinem Garten viele Blumen aus den Samen des Vorjahres. Dennoch suchen wir uns gerne Rastplätze, die euch vielleicht nicht gefallen. Ihr dürft da nicht so pingelig sein - Pflanzen können mehr ab als man denkt:

(Der Schnabel links im Bild ist übrigens meiner. Ich stand da nur so stumm staunend daneben.)

Am Rande muss ich gestehen, dass ich mit Annegret gerade erst im April die frisch gesetzten Kartoffeln ausgegraben habe...zum ersten Mal.... ehrlich! Die Stimme des männlichen ZBs klang sehr verärgert. Dabei hatte ER doch die kleinen Dämme über den Kartoffeln vergessen! Dann setzte er uns zusätzlich solche blöden Zäune vor den Schnabel. Der ZB steckte sie mit Metallstäben in die Erde. Oben  sind Holzlatten dran. Nun ja, das Durchkommen gestaltet sich dann überaus anstrengend, also lassen wir das!  Aussperren statt einsperren ist schon o.k.! Umgekehrt wäre hingegen richtig blöd und gemein, denn wir haben im kleinen Auslauf keine Abwechslung!

Auch wenn wir nur zu zweit sind, brauchen wir diese Erinnerung, um nicht an Salat, Spinat und andere weiche, leckere Blätter hapsen zu können - woher sollten wir sonst wissen, dass wir das nicht dürfen? In der Regel werden wir im Garten keine Startbahn bauen und über Zäune fliegen. Allerdings bestätigen Ausnahmen diese Regel nicht....

Düngen können wir die Erde selbst. Wenn dir das nicht reicht, nimm Kompost oder schütze uns vor den frischgedüngten Beeten. Je nach dem, was du verwendest, könnte es uns schlecht bekommen.

 

D. Mit einem Tierarztbesuch musst du vielleicht mal rechnen, obwohl wir sehr robuste halbwilde Tiere sind. Meistens machen uns unsere langen Beine Probleme. Am besten gehst du zu speziellen Vogelkliniken  in deiner Nähe (siehe "vogeldoktor.de").  Ich war 2016 in Wahlstedt, weil ich seeeehr krank war. Und da wurde mir seeeeehr geholfen. Heute, im Jahr 2020, geht es mir meistens immer noch ziemlich gut.

Denn natürlich wollen wir, genau wie du, möglichst gesund alt werden (so ca. 15 Jahre).

Schau uns deshalb öfter in die Augen, Großer:

Sind sie  klar?

 

Dann etwas tiefer:

Atmen wir frei?

 

Dann einmal rundherum:

Wenn unser Gefieder ständig aufgeplustert ist, stimmt etwas nicht mit uns.

 

Dann nooooch etwas tiefer:

Ist unsere Kloake sauber?

Der von uns produzierte Durchmarsch muss übrigens leicht wässrig und geruchsfrei sein, dann ist in der Regel alles o.k. (Übrigens stinken wir NICHT, wenn wir gesund sind und du unseren Stall und das Wasser sauber hältst!)

Aber gerade auch deswegen mögen uns viele Gartenmenschen nicht:

 

E. Unsere Schietflecken sind wie eine Keramikglasur auf Pflaster durch Sommersonne einbrennbar. Das lässt sich verhindern, wenn man sie rechtzeitig mit Wasser entfernt. ´Kann natürlich auch mal vergessen und übersehen werden oder aus einem anderen Grund nicht klappen und - schwupps - hat man eine  Erinnerung für die Ewigkeit, deren künstlerischen Wert die meisten von euch ZBn einfach gar nicht zu würdigen wissen!

Eingebrannt....sorry!Ganz frisch....